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Kommandounternehmen des Tages: Coup von Kerbela


Wäre das tollkühne Unternehmen in der irakischen Pilgerstadt Kerbela am Sonnabend amerikanischen Elitesoldaten gelungen, hätten die westlichen Medien dafür gesorgt, daß am nächsten Tag alle Welt deren Raffinesse und Professionalität hätte bewundern können. So aber hatten die US-Besatzer fünf Tote zu beklagen. Wahrscheinlich deshalb war ihnen der Coup von Kerbela nur eine flüchtige Erwähnung wert, trotz vorliegender ausführlicher Agenturberichte. Alles hatte damit begonnen, daß ein Konvoi von gepanzerten geländetauglichen Großraumlimousinen, sogenannten SUVs, an allen Wachen vorbei in den Innenhof eines irakisch-amerikanischen Stützpunktes in Kerbela brauste. Den Agenturberichten zufolge fuhr die Kolonne »mit einer Geschwindigkeit und Dringlichkeit«, mit der sonst nur »die Amerikaner und ausländischen Würdenträger derzeit auf Iraks gefährlichen Straßen reisen«. Die irakischen Wachen an den Kontrollpunkten, die sich nicht mit US-Amerikanern anlegen wollen und diese schon am Fahrverhalten erkennen, winkten durch. Die Wagentypen würden auch von den Besatzern genutzt und die Insassen hätten US-Militäruniformen und -Abzeichen getragen, erklärte der irakische Provinzgouverneur den Hergang am Montag. Ohne Verdacht zu erregen, drangen die »Amerikaner« im Laufschritt in das Gebäude ein, wo das irakisch-amerikanisch Koordinationszentrum für die Provinz untergebracht ist. Die Kommandoeinheit des irakischen Widerstandes zündete Blendgranaten und stürmte offenbar genau den Raum, in dem gerade eine Beratung zwischen Amerikanern und Irakern stattfand. Dabei wurden die anwesenden Amerikaner, bei denen es sich durchweg um Offiziere gehandelt haben dürfte, gezielt erschossen, während die irakischen Soldaten und Offiziere nicht angerührt wurden. Danach gelang dem Kommando in seinen gepanzerten Wagen ungehindert die Flucht. Lediglich an einem inzwischen alarmierten Kontrollpunkt in Kerbela mußte sich der Konvoi den Weg frei schießen. Am Wochenende kamen zusätzliche 3200 US-Soldaten im Irak an. Insgesamt wurden bei verschiedenen Angriffen 23 getötet. (rwr/jw)



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